Ausgangslage und Problemstellung

Körperliche Inaktivität stellt ein zentrales gesundheitliches Problem moderner Gesellschaften dar. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung bewegt sich zu wenig oder unstrukturiert. Viele Menschen fühlen sich von klassischen Fitnessangeboten überfordert oder verlieren nach kurzer Zeit die Motivation, regelmässig körperlich aktiv zu sein. Gleichzeitig gewinnt die Relevanz metabolischer Gesundheit an Bedeutung, insbesondere im Hinblick auf Prävention chronischer Erkrankungen.

Die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Global hat sich die Häufigkeit von Adipositas in den letzten vier Jahrzenten mehr als verdoppelt und betrifft heute über eine Milliarde Menschen. In der Schweiz sind 43% der Bevölkerung übergewichtig oder adipös. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Übergewicht als Body Mass Index (BMI) >25kg/m2 und Adipositas als BMI ≥ 30 kg/m2

Adipositas ist eine komplexe, multifaktorielle chronische Erkrankung, die mit einer Vielzahl kardiometabolischer Begleiterkrankungen assoziiert ist, darunter Bluthochdruck, Typ 2 Diabetes, Fettstoffwechselstörungen oder Fettlebererkrankung. Darüber hinaus stellt sie einen Risikofaktor für verschiedene Krebserkrankungen dar und kann sowohl Lebenserwartung als auch Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Trotz dieser gesundheitlichen Konsequenzen ist Adipositas grundsätzlich präventiv beeinflussbar und therapeutisch behandelbar.

Eine zentrale und früh einsetzende Säule der Therapie stellt körperliche Aktivität dar. Neben einer angepassten Ernährung spielt insbesondere strukturiertes Training eine entscheidende Rolle für den langfristigen Erfolg einer Gewichtsreduktion. Während einer Phase des Gewichtsverlustes ist der Erhalt der Muskelmasse von besonderer Bedeutung. Die Skelettmuskulatur trägt wesentlich zum Grundumsatz bei und regelmässige körperliche Aktivität erhöht nicht nur kurzfristig den Energieverbrauch, sondern kann langfristig auch die Energiebilanz günstig beeinflussen. Hinzu kommen positiven Effekte auf die kardiovaskuläre Gesundheit, funktionelle Leistungsfähigkeit und allgemeines Wohlbefinden.

Trotz der breiten wissenschaftlichen Evidenz und der grundsätzlichen gesellschaftlichen Akzeptanz der positiven Effekte von Bewegung besteht in der praktischen Umsetzung häufig eine Versorgungslücke. Gerade für Personen, die sich über längere Zeit wenig oder gar nicht bewegt haben, stellt der Einstieg in regelmässige körperliche Aktivität eine erhebliche Herausforderung dar. Physiotherapeutische Angebote spielen eine wichtige Rolle, sind jedoch oft zeitlich begrenzt und nicht primär auf langfristige Bewegungsgemeinschaften ausgelegt.

Es existieren bereits einzelne Initiativen, bei denen sich Betroffene in Gruppen organisieren, um gemeinsam Bewegung umzusetzen (wie z.B. Body2Move). Solche Ansätze zeigen das grundsätzliche Interesse an Bewegungsgemeinschaften und bringen viel Potential, stehen jedoch häufig vor Herausforderungen hinsichtlich Sichtbarkeit.

Vor diesem Hintergrund soll ein interdisziplinäres, fachlich fundiertes Projekt entwickelt werden, das medizinische, sportwissenschaftliche und praktische Trainingserfahrung miteinander verbindet.